MTPE und technische Fachübersetzungen

26.08.2022

Maschinelle Übersetzung professionell, sicher und normkonform in der technischen Dokumentation nutzen

Kürzlich haben wir erklärt, wie maschinelle Übersetzung im professionellen Unternehmenskontext zum Einsatz kommen kann und wie die Doku-Norm IEC/IEEE 82079-1 die Verständlichkeit und Anwendbarkeit von technischer Dokumentation in allen Sprachen sichert. Nun folgt der Reality-Check: Wie genau nutzt man maschinelle Übersetzung für technische Fachtexte, technische Dokumentation und Kommunikation und was ist dafür zu tun?

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Professionelle, systematisch und effizient vorgenommene Übersetzungsdienstleistungen waren schon immer technikbasiert. Mit der maschinellen Übersetzung ist noch eine weitere Komponente hinzugekommen, die es gezielt zu integrieren gilt. In diesem Beitrag geben wir einen Überblick über die Entwicklung der Tools und ordnen ein, wie sie zusammenhängen und worauf zu achten ist, um in der richtigen Kombination bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Kontext und Vorgeschichte: Ein ganzer Maschinenpark für die technische Übersetzung

„Maschinen“ kommen in der professionellen Übersetzung und Sprachdienstleistung schon lange zum Einsatz. Seit jeher auf Effizienz, Konsistenz und Qualität ausgerichtet, mit innovativen Tools ausgestattet und in optimale Prozesse gegossen, ist dieser Bereich weit entfernt vom einstigen Übersetzen mit Stift und Papier.

Mitte der 1990er Jahre gab es erste Unterstützung mithilfe von Software. CAT-Tools (Computer-aided/assited Translation Tools) ermöglichen, Dokumente unabhängig vom Format in einem Editor zu öffnen, irrelevante Inhalte auszublenden und Texte Segment für Segment zu übersetzen.
In den integrierten Translation Memorys (TM) können Übersetzungen gespeichert und damit auch wiederverwendet werden: Lädt der:die Übersetzer:in ein neues Dokument ins Tool, greift das Translation Memory im Hintergrund auf Übersetzungen aus vorherigen Projekten zu und fügt bereits übersetzte Text(teil)e ein, so dass nur noch die neuen Texte übersetzt werden müssen. Gleiche Texte müssen seit dem Einzug von TM also nicht mehr umständlich in der eigenen Dateiablage gesucht werden, sondern werden beim nächsten Projekt automatisch erkannt und die Übersetzungen dafür vorgeschlagen oder direkt eingefügt. Ein Quantensprung für die Konsistenz und Kostenreduzierung in der Übersetzung.

In puncto Konsistenz führte auch das Aufkommen und Einbinden von Terminologiedatenbanken direkt in die Übersetzungsumgebung dazu, dass die Einhaltung vorgegebener Fachsprache unmittelbar bei der Übersetzung umgesetzt und kontrolliert werden kann. Denn gerade in der technischen Dokumentation ist die Fachsprache das A und O. Ein CAT-Tool erkennt einen Terminus aus der Datenbank im Ausgangstext und schlägt das ebenfalls hinterlegte fremdsprachliche Äquivalent vor. Im Rahmen der automatisierten Qualitätssicherung kann die Einhaltung der Vorgaben dann nochmals überprüft werden. Unternehmen und Übersetzer:innen können so sicherstellen, dass alle festgelegten Termini korrekt und konsistent verwendet werden.

Weitere „Maschinen“ sind QS-Tools, um Übersetzungen zwecks Qualitätssicherung auf die Einhaltung von Vorgaben und Korrektheit zu prüfen. Dabei kommen bekannte Funktionen wie die Rechtschreibprüfung ebenso zum Einsatz wie die Überprüfung auf Stilvorgaben, verbotene Schreibweisen, Terminologie, Zahlenchecks und schließlich auch die korrekte Verwendung von Tags, damit geschützte oder formatierte Inhalte des Ausgangstext auch korrekt im Zieltext landen. QS-Tools sind teilweise in CAT-Tools integriert, aber auch, je nach Anforderung, als zusätzliche Software verfügbar.

Nächstes Kapitel: Maschinelle Übersetzung ändert die Koordinaten und schafft neue Möglichkeiten

CAT-Tools,Terminologiedatenbanken und QS-Tools sind Hilfsmittel für Übersetzer:innen und Sprachdienstleister, die den Übersetzungsprozess unterstützen, aber nicht den eigentlichen Schritt des Übersetzens abnehmen. Dies änderte sich mit dem Aufkommen der maschinellen Übersetzung (MT), die das eigentliche Übersetzen von Texten übernimmt, ohne dass ein Mensch aktiv eingreift. Lange Zeit waren maschinelle Übersetzungsergebnisse jedoch mäßig und wirkten eher erheiternd als nützlich. Mit der Einbindung neuronaler Netzwerke hat die maschinelle Übersetzung – nun neuronale MT – in den letzten fünf Jahren allerdings einen Innovationsschub erfahren und ist heute als zusätzliches Hilfsmittel im Übersetzungsprozess absolut praxistauglich. Die maschinellen Übersetzungsergebnisse bilden dabei eine sehr gute Ausgangsbasis, um via Machine Translation + Post-Editing (MTPE) von ausgebildeten Posteditor:innen geprüft, korrigiert und vereinheitlicht zu werden.

CAT-Tools sind nach wie vor Stand der Technik, ebenso wie integrierte Terminologiedatenbanken und QS-Tools. Per API- oder Plugin-Schnittstellen lässt sich mittlerweile außerdem auf maschinelle (Vor-)Übersetzungen aus entsprechenden Engines zugreifen. In der Praxis ergibt dies eine gewinnbringende Kombination: Vorhandene Übersetzungen werden aus dem Translation Memory entnommen, für neue Segmente erfolgt eine erste Vorübersetzung durch eine MT-Engine. Konsistenz, Stil und Fehlerfreiheit werden über die inhaltliche Prüfung bzw. das Posteditieren sichergestellt.

Reality-Check: So kommt maschinelle Übersetzung in der technischen Redaktion und Dokumentation zum Einsatz

Welche Vorteile bietet maschinelle Übersetzung?

Bei geeignetem Ausgangstext und vor allem bei Einsatz der passenden MT-Engine spart die maschinelle (Vor-)Übersetzung inklusive des Posteditierens bis zu 50 Prozent Zeit. Übersetzer:innen und Posteditor:innen sind also in der Lage, ein höheres Pensum an Aufträgen in durchgängig hoher Qualität zu bewältigen, und die Kund:innen erhalten die Übersetzungen schneller. Angesichts der größeren Volumen macht sich das auch in reduzierten Kosten bemerkbar.

Wo gerät maschinelle Übersetzung an ihre Grenzen?

Künstliche Intelligenz braucht menschliches Know-how. Denn der Mensch kann sich in die Texte einlesen, ihre Sinnhaftigkeit prüfen, Mehrdeutigkeiten erkennen und alles zu stimmigen Dokumenten zusammenfügen. Die Maschine kann zudem nicht alle Dateiformate bearbeiten. Nimmt man beispielsweise technische Übersetzungen für ein HMI/Bedienpanel einer Maschine, ist vorgegeben, dass das Display nur eine bestimmte Zeichenanzahl anzeigen kann. Die Berücksichtigung dieser Zeichenbegrenzungen kann die maschinelle Übersetzung aktuell noch nicht gewährleisten.

Ein weiterer Faktor ist das Risiko der inkonsistenten Unternehmenskommunikation. Denn frei zugängliche MT-Engines kennen weder das Unternehmen noch seine spezifische Terminologie. Ergo können schnelle und ungesteuerte Übersetzungen mit einem oder gar mehreren Diensten schnell zu einem Wildwuchs von Benennungen für ein und dieselbe Sache führen und widersprechen damit einem systematischen Terminologiemanagement.

Wie sieht es mit der Datensicherheit bei maschineller Übersetzung aus?

Dass frei zugängliche MT-Engines gut und kostenlos sind, macht in der Nutzung unvorsichtig und konterkariert eventuell den Schutz von sensiblen Daten und vertraulichen Inhalten. Denn wenn Mitarbeiter:innen einen Text per copy & paste eingeben, wird dieser immer an den Server des Anbieters übertragen und dort verarbeitet. Weil die Maschinen ständig hinzulernen, werden diese Texte auch als Trainingsdaten und zur Verbesserung des Angebots genutzt. Die Daten verlassen damit den Einflussbereich des Unternehmens, und es kann nicht garantiert werden, was mit ihnen passiert und wie sicher sie sind.

Deshalb ist ein grundlegend sicheres Vorgehen wichtig. Dazu gehört mindestens, über Abos und Lizenzen sicherzustellen, dass die Datensicherheit gewährleistet ist, und in den AGB genau zu prüfen, wie lange etwa Inhalte gespeichert und wofür sie verwendet werden.

Wie sinnvoll ist maschinelle Übersetzung in der technischen Redaktion und Dokumentation?

In der technischen Redaktion und Dokumentation ausschließlich auf maschinelle Übersetzung zu vertrauen, wäre aus allen vorgenannten Gründen fatal. Allein schon zwecks Gefahrenvermeidung ist davon immer abzuraten, denn bei technischen Dokumenten besteht ein großes Risiko bezüglich der Gewährleistung und Haftung.

Sinnvoll und richtig wird der Einsatz allerdings beim Betrachten der Möglichkeiten: Mithilfe fachkundiger Posteditor:innen, die die vorübersetzten Texte prüfen, korrigieren und vereinheitlichen, wird die maschinelle Übersetzung praxistauglich. In professionellen Händen ist die Nachbereitung immer mehr standardisiert und der Aufwand für das Posteditieren nimmt immer mehr ab.

Fazit: Technische Übersetzung in höchster Qualität mit Unterstützung des ganzen Maschinenparks

Um den eingangs gespannten Bogen zu vollenden: Professionelle, systematisch und effizient vorgenommene Übersetzungsdienstleistungen waren schon immer technikbasiert. Mit der maschinellen Übersetzung ist eine weitere Komponente hinzu gekommen, die gezielt integriert werden kann – Beratung und Know-how zur maschinellen Übersetzung, zum Einsatz sinnvoller Engines und zum Posteditieren vorausgesetzt –, um alle Teile sinnvoll zu verbinden und in der optimalen Übersetzung gewinnbringend zu nutzen. Gerade bei großen Volumina und engen Deadlines. Und gerade im technischen Bereich, wo Maschinen ermöglichen, die vorgegebene Terminologie und elementar wichtige Wiederholungen zu nutzen, um so wenig neuen Übersetzungsaufwand wie möglich zu haben, Kosten und Zeit zu sparen und dennoch höchste Qualität durch Terminologie und Posteditieren zu gewährleisten.

Benötigen Sie die professionelle Übersetzung von technischen Fachtexten, technischer Dokumentation und Kommunikation? Erwägen Sie den Einsatz maschineller Übersetzung? Dann sprechen Sie mit uns über Ihre spezifischen Anforderungen und Ziele. Unsere Expert:innen für technische Übersetzung und MTPE beraten Sie gern zu allen Maßnahmen und Möglichkeiten.

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